Kirchliche Trauung

I. Bedeutung der Trauung

Gott hat den Ehestand selbst eingesetzt. Er hat Mann und Frau geschaffen zu Partnern, die einander lieben und achten sollen. In der Ehe verbinden sich beide zu einer Gemeinschaft und bekommen Anteil an Gottes Schöpfermacht, indem durch sie neues Leben entstehen kann. Wenn Christen eine Ehe eingehen, stellen sie ihre Entscheidung unter den Schutz, die Führung und den Segen Gottes.

Eine Ehe mit all den schönen Momenten, aber auch mit den Belastungen soll ein ganzes Leben lang bestehen. Auch darum ist die richtige Wahl des Lebensgefährten/der Lebensgefährtin wichtig. Zur Freude am anderen müssen die Bereitschaft und die Fähigkeit dazu kommen, gemeinsam die Aufgaben der Familie und des Berufs zu erfüllen und auch in Krisen zueinander zu stehen. Menschliche Beziehungen sind brüchig und gefährdet. Viele gemeinsame Wege, an deren Anfang Liebe und Zuneigung standen, gehen dennoch auseinander. Der Satz aus dem Trauversprechen: „Ja, mit Gottes Hilfe“ ist keine Garantie für ein problemloses Zusammenleben. Aber in ihm steckt die Verheißung, dass es gelingen kann, auch Krisensituationen gemeinsam zu verarbeiten.

Auf dem Standesamt wird die Ehe rechtsgültig geschlossen. Das Besondere der kirchlichen Trauung liegt letztlich in der Verkündigung von Gottes Wort zur Ehe, der Bitte um Gottes Beistand und Begleitung und im Zuspruch seines Segens.

 

II. Vorbereitung

Es ist wichtig, frühzeitig mit dem Pfarrer am Wohnort eines der beiden Partner Verbindung aufzunehmen. Wenn gute Gründe für die Wahl eines anderen Pfarrers oder einer anderen Kirche sprechen, so ist dies mit dem zuständigen Pfarrer zu klären. Es bedarf der Festlegung zweier Termine:

  • den Hochzeitstermin
  • den Termin für das Traugespräch mit dem Pfarrer.

Das Traugespräch ist in jedem Fall notwendig:

  • Brautpaar und Pfarrer können sich näher kennen lernen und zusammen ins Gespräch kommen.
  • Persönliche Fragen können angesprochen werden.
  • Der Trauspruch wird festgelegt.
  • Der Traugottesdienst wird besprochen; individuelle Wünsche bezüglich Liedern, biblischen Lesungen und Gebeten können eingebracht werden. Außerdem lassen sich auch technische Fragen klären, z.B. Blumenschmuck in der Kirche, Fotografieren bzw. Filmen im Gottesdienst etc.

Konfessionsverschiedene Partner

Gehört ein Partner einer anderen christlichen Kirche an, ist dies kein Hindernis für eine Trauung. Mögliche Konflikte, die sich durch die verschiedene Glaubensprägung ergeben könnten, sollten von den beiden Partnern jedoch gemeinsam bzw. mit dem Pfarrer diskutiert werden. Besonders nach der Geburt eines Kindes wird die Entscheidung nötig, zu welcher Konfession es durch die Taufe angehören soll. Ist ein Partner römisch-katholisch, so gibt es die „gemeinsame Trauung“, gewöhnlich als „ökumenisch“ bezeichnet. Es handelt sich dabei entweder um eine evangelische Trauung unter Mitwirkung des katholischen Pfarrers oder um eine katholische Trauung unter Mitwirkung des evangelischen Kollegen. Auch wenn auf die Mitwirkung des katholischen Pfarrers verzichtet wird, empfiehlt es sich, diesen um ein Gespräch zu bitten. Mit seiner Hilfe wird der Antrag auf „Befreiung von der Formpflicht“ an das bischöfliche Ordinariat gestellt (vgl. Ehevorbereitungsprotokoll). Dadurch bleibt dem katholischen Partner die Zulassung zu den Sakramenten seiner Kirche erhalten.

Glaubensverschiedene Partner

Ist einer der beiden Ehepartner getauft, gehört aber keiner christlichen Kirche an, kann das Brautpaar im Ausnahmefall kirchlich getraut werden. Für solch eine kirchliche Trauung bedarf es einer besonderen kirchlichen Genehmigung. Gehört einer von beiden Ehepartnern einer nichtchristlichen Religionsgemeinschaft oder einer Sekte an oder ist religionslos, ist eine kirchliche Trauung in der Regel nicht möglich. Dennoch muss auf die Bitte um Gottes Segen nicht verzichtet werden. Es gibt dafür den „Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung“, der in seiner Form einer Trauung ähnlich ist. Nur wird hier vermieden, von dem konfessionslosen Partner Aussagen zu verlangen, die eindeutig christliche Glaubensvoraussetzungen haben.

Geschiedene Partner

Früher war die kirchliche Trauung einer zweiten Ehe nur selten möglich. Auch heute ist die Ehe unter Christen auf Dauer angelegt. Wenn eine Ehe dennoch scheitert, hoffen wir auf die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes. Das Misslingen einer Ehe muss erst verarbeitet werden, bevor eine neue Ehe verantwortlich eingegangen wird. In der evangelischen Kirche gibt es hier keine Gesetze, sondern Regeln, die seelsorgerlichen Spielraum lassen. Für eine kirchliche Trauung, die Geschiedene einschließt, bedarf es der Zustimmung der Dekanin.

Trauzeugen

Trauzeugen sind seit ein paar Jahren nicht mehr verpflichtend nötig. Sie können jedoch gerade in den kritischen Zeiten einer Beziehung oder bei anderen Problemen beratend und freundschaftlich zur Seite stehen.

 

III. Formalitäten vor der kirchlichen Trauung

  1. in jedem Fall
    • Trauanmeldungsformular (vom Pfarramt).
    • Taufurkunde von Braut und Bräutigam.
    • Standesamtliche Bescheinigung der Eheschließung (spätestens zu kirchlichen Trauung mitbringen).
    • Familienstammbuch zum Traugottesdienst mitbringen.
    • Sofern Sie einer anderen Kirchengemeinde angehören als der, in welcher Sie und Ihr/e Partner/in wohnen, benötigen Sie vom Pfarramt Ihres Wohnortes eine Zession (= Zustimmung). Der Vollzug der Trauung wird dann an dieses Pfarramt weitergeleitet.
  1. bei katholischer/m PartnerIn
    • Dispens vom kath. Pfarrer (= Antrag auf „Befreiung von der Formpflicht“, wodurch die/der katholische PartnerIn weiterhin zu den Sakramenten der römisch-katholischen Kirche zugelassen ist).
  1. bei Geschiedenen
    • Heiratsurkunde der 1. Ehe (Kopie).
    • Scheidungsurkunde (Kopie).
    • Ggf. Geburtsurkunde der Kinder.
    • Zustimmung der Dekanin (Antrag stellt der Pfarrer nach dem Traugespräch).

 

IV. Trauhandlung

Die Eheleute versprechen sich gegenseitig die Treue. Nach dem Ringwechsel reichen sie einander die rechte Hand und der Pfarrer segnet das Paar.

 

Trauversprechen

Pfarrer: Ihr habt gehört, wie Gottes Wort zum gemeinsamen Leben ermutigt und zum Gelingen der Ehe hilft. So frage ich euch vor Gott und dieser Gemeinde:

N. willst Du N., die Gott dir anvertraut, als deine Ehefrau lieben und ehren und die Ehe mit ihr nach Gottes Gebot und Verheißung führen – in guten und in bösen Tagen, solange du lebst, so antworte: ja mit Gottes Hilfe.

N., willst Du N., den Gott dir anvertraut, als deine deinen Ehemann lieben und ehren und die Ehe mit ihm nach Gottes Gebot und Verheißung führen – in guten und in bösen Tagen, solange du lebst, so antworte: ja mit Gottes Hilfe.

 

Ringübergabe mit Trauvotum

Pfarrer: Gebt einander die Ringe als Zeichen eurer Liebe und Treue.

Ehemann und Ehefrau sprechen einander zu: N., trage diesen Ring als Zeichen unserer Liebe und Treue.

Pfarrer: Reicht einander die Hand. (Er selbst legt seine rechte Hand darauf.) Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.

Segensgebet

Pfarrer: Lasst uns für diese Eheleute beten:

Herr, unser Gott, du hast Mann und Frau füreinander geschaffen. Wir bitten dich für diese Eheleute: Bewahre sie in ihrer Ehe, leite sie durch dein Wort, und erhalte sie in deiner Liebe. Durch Jesus Christus, unsern Herrn.

Gemeinde: Amen

 

Segnung

Pfarrer: Kniet nieder, dass wir euch den Segen Gottes zusprechen.

Er legt seine beiden Hände auf die Köpfe des Brautpaares: Der Segen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes komme über euch. Er bleibe bei euch jetzt und allezeit. Friede + sei mit euch. Amen.

Die Trauung kann mit der Feier des heiligen Abendmahls fortgesetzt werden. Dadurch kommt zum Ausdruck, dass die Hingabe Christi die Quelle der gegenseitigen Liebe ist und dass die christliche Ehe ihren Ort in der Gemeinschaft der Kirche hat.

 

 V. Ablauf des Traugottesdienstes

Der nachfolgende Ablauf hält sich an die Agende der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Abweichungen sind nach Absprache mit dem Pfarrer möglich:

1. Einzug mit (Orgel-)Musik – 2. Begrüßung – 3. Psalm und Eingangsgebet – 4. Lied/Musik – 5. Trauansprache (zum Trauspruch) – 6. Lied/Musik – 7. Traulesungen aus der Bibel mit Evangelium nach Matthäus 19,4-6 – 8. Trauversprechen – 9. Ringübergabe mit Trauvotum – 10. Segensgebet – 11. Segnung – [Feier des Abendmahls] 12. Fürbitten und Vaterunser – 13. Lied – 14. Schlusssegen – 15. Auszug mit (Orgel-)Musik.

 

VI. Trausprüche

Der Trauspruch ist ein Vers oder auch ein längerer Text aus der Bibel, der das Paar in besonderer Weise auf dem gemeinsamen Weg begleiten soll. Der Trauspruch kann selbst ausgewählt werden. Hier eine Auswahl an Trausprüchen:

  • Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. 1.Mose 2, 18
  • Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 4.Mose 6, 24-26
  • Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich. Psalm 25, 4f
  • Deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Psalm 36, 6
  • Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Psalm 36, 8
  • Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen. Psalm 37, 5
  • Herr, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurde, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Psalm 90, 1f
  • Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich sein an ihm sein. O Herr, hilf! O Herr, lass wohlgelingen! Psalm 118, 24f
  • Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Psalm 119, 105
  • So ist’s besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Wege dem, der allein ist, wenn er fällt. Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. Prediger 4, 9f
  • Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn. Hoheslied 8, 6
  • Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Johannes 13, 34
  • Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Römer 13, 8
  • Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des heiligen Geistes. Römer 15, 13
  • Wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnisse und hätte allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 1.Korinther 13, 2
  • All eure Dinge lasst in der Liebe geschehen! 1.Korinther 16, 14
  • Ertragt einer den anderen in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Epheser 4, 2f
  • Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 1.Johannes 4, 16
  • Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 2.Timotheus 1, 7

VII.  Gestaltungsmöglichkeiten

Im Zentrum der kirchlichen Trauung steht die Entscheidung, einander vor Gott das Ehever­sprechen zu geben und die Ehe unter Gottes Schutz und Segen zu stellen. Deshalb ist es ange­messen, wenn das Brautpaar auch bei der Gestaltung des gottesdienstlichen Rahmens mit­beteiligt ist. Das muss sich jedoch nicht nur auf die Auswahl des Blumenschmuckes in der Kirche beschränken. Braut und Bräutigam können mitentscheiden über:

  • die Auswahl der Lieder und Gestaltung des musikalischen Rahmens
  • die Auswahl der Lesung
  • die Formulierung des Traubekenntnisses
  • die Fürbitten, formuliert und gesprochen durch Trauzeugen, Eltern etc.
  • eine Feier mit oder ohne Abendmahl

Ein schönes Andenken für alle Festgäste und natürlich für das Brautpaar selbst ist ein persönlich gestaltetes Faltblatt mit dem Gottesdienstablauf und den Liedern.

Falls eine Traukerze bereitgestellt worden ist, wird diese nach der Trauhandlung an der Altarkerze angezündet. Eine lokale Bezugsquelle ist Silkes Kerzenladen, Siegfried-Ott-Strasse 7, 89257 Illertissen, Tel. 07303-42814, http://www.silkes-kerzenladen.de.

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass weder in noch außerhalb der Kirche Reis gestreut werden darf. Wir möchten nicht, dass auf einem Grundnahrungsmittel herumgetreten wird. Wenn Sie an das Streuen von Blütenblättern denken, wenden Sie sich dazu vorab an unser Pfarramt.

 

VIII. Musikalische Gestaltung

In einem christlichen Gottesdienst wird der dreieinige Gott angerufen. Christen loben seinen Namen und besingen das, was er getan hat. Von daher finden Pop- und Rocksongs sowie Schlager und Volkslieder keinen Ort in einem Traugottesdienst. Sind Gesangseinlagen vorgesehen, können dies nur geistliche Lieder (Kirchenlieder, Lobpreislieder oder Gospels) sein. Da der Traugottesdienst mit dem Schlusssegen endet, kann zum Auszug auch ein nichtgeistliches Lied präsentiert werden. Bei Instrumentaleinlagen während des Gottesdienstes gibt es keine Vorgaben. Mögliche Gemeindelieder für den Gottesdienst finden sich in dieser Liste. 

 

IX. Eine Geldspende (Kollekte) im Traugottesdienst

Es ist in einem christlichen Gottesdienst Tradition, beim Ausgang eine Geldspende in die Opferdose bzw. in den Kollektenkasten einzulegen. Damit wird die eigene Dankbarkeit für das, was man selbst im Gottesdienst empfangen hat, zum Ausdruck gebracht. Das eingelegte Geld wird für einen karitativen Zweck verwendet, der mit dem Pfarrer abgestimmt werden kann. Wir können Ihnen dazu konkrete Projekte mit entsprechenden Informationen vorstellen. Somit können andere Menschen in einer besonderen Notlage an der Hochzeitsfreude teilhaben.

 

X. Fürbitten im Traugottesdienst

In den Fürbitten betet die versammelte Gemeinde für das Brautpaar, dessen Familien und Freunde, für die lebenden und verstorbenen Angehörigen, aber auch für aktuelle Anliegen. Die einzelnen Bitten können von verschiedenen Hochzeitsgästen gesprochen werden. Dafür finden Sie hier Beispiele zum Auswählen – natürlich können Sie die Fürbitten auch selbst formulieren!