Wie sieht Gott wohl die Gottesdienste in unserer Gemeinde? – Impuls zum Klausurtag des Kirchenvorstands

Auf der Kirchenvorstandsklausur am 30. März ging es um eine Neuorganisation unserer Gottesdienste. Dabei hat uns Dr. Helmut Haas mit dem geistlichen Impuls „Wie sieht Gott wohl die Gottesdienste in unserer Gemeinde?“ zu denken gegeben.

Wir kennen sicherlich jene Ameisenhaufen im Wald. Wenn man das Treiben so beobachtet, dann scheinen auf den ersten Blick alle durcheinander zu rennen, es scheint ein heilloses Chaos zu herrschen. Erst auf den zweiten Blick sind da scheinbar doch manche Ameisen, die etwas gezielt tun. Auf den dritten Blick erkennt man dann, dass das Ganze eigentlich fantastisch funktioniert.

Fragen wir eine Ameise, dann wird uns diese antworten:

  • wo bitteschön herrscht bei uns Chaos?
  • Wo ist da ein heilloses Durcheinander?
  • Nur weil ihr Menschen weder Sinn noch Ordnung darin seht?
  • Bei uns hat alles seinen Sinn und eine Ordnung …

Ihr seht, die Beurteilung der Situation und Vorgänge wird vom Standpunkt und vom Blickwinkel be- stimmt. Und man kann zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen und Einschätzungen kommen.

Nicht anders ist es mit unseren Gottesdiensten. Wir diskutieren und fragen uns immer wieder:

  • Wo sollen die Gottesdienste stattfinden – Kirche oder Gemeindehaus?
  • Und zu welcher Uhrzeit?
  • Welche und wie viel Liturgie muss oder darf sein?
  • Lohnt es sich bei 5 Gottesdienstteilnehmern einen Gottesdienst durch zu führen?

Stimmt eigentlich unser Standpunkt und unsere Perspektive? Sollten wir nicht einen ganz anderen Blickwinkel, eine andere Sichtweise einnehmen?

„Gottes – dienst“

Im ersten Wortteil steckt „Gott“ drin. Was hat er mit unseren Gottesdiensten zu tun? Wie sieht er denn unsere Gottesdienste? Sind für ihn unsere Fragen nach Ort, Zeit, Liturgie und Teilnehmerzahl entscheidend? Sagt Gott nicht selbst:

Wo 2 oder 3 in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Matth. 18, 20)?

Die Frau am Jakobsbrunnen frägt Jesus (Joh. 4, 20-21):

Unsere Väter haben auf diesem Berg (in Samarien) angebetet, und ihr (Juden) sagt, dass Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse. Was ist nun richtig?

und Jesus antwortet:

Glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.

Diese Antwort war für einen Juden unvorstellbar.

Und durch Jesaja muss Gott seinem Volk Folgendes sagen lassen (Jesaja 1):

11 Was soll mir die Menge eurer Opfer?, spricht der HERR. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke. 12 Wenn ihr kommt, zu erscheinen vor meinem Angesicht – wer fordert denn von euch, dass ihr meine Vorhöfe zertretet? 13 Bringt nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel! Neumond und Sabbat, den Ruf zur Versammlung – Frevel und Festversammlung – ich mag es nicht! 14 Meine Seele ist feind euren Neumonden und Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin’s müde, sie zu tragen. 15 Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut. 16 Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen. Lasst ab vom Bösen, 17 lernt Gutes tun! Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!

Das war eine schallende Ohrfeige für die jüdischen Führer und Jesaja hat sich nicht sonderlich beliebt gemacht dadurch.

Angesichts solcher Aussagen in der Bibel müssen wir uns schon die Frage stellen – ohne jetzt vielleicht eine definitive Antwort darauf zu erhalten und ohne unsere Gottesdienste aus unserer Sicht zu werten:

„Wie sieht Gott wohl die Gottesdienste in unserer Gemeinde?“ Das würde mich brennend interessieren…

…und dann möchte ich Gott fragen: „Was willst Du für unsere Gemeinde?“

Wir dürfen Gott nicht zum Erfüllungsgehilfen unserer Vorstellungen, Vorlieben, Neigungen und Prägungen machen, indem wir nach unserem Gutdünken planen und Gott danach bitten zu unseren Pläne Ja und Amen zu sagen und sie zu segnen.

Sollten wir Gott nicht vielmehr fragen: „Was willst Du in unserer Gemeinde segnen?“ Diesen Perspektivwechsel sollten wir nicht vernachlässigen.

„Gottes – dienst“

Im zweiten Wortteil steckt der Begriff „Dienst – dienen“ drin. Wer dient da wem? Dienst heißt es natürlich in erster Linie für den Pfarrer – und dann noch für Mesner/Lektor sowie Organist. Wir beurteilen einen Gottesdienst immer gern danach, ob er mir etwas gebracht hat oder nicht. Im Gottesdienst möchte aber Gott Gemeinschaft haben mit uns. Wir feiern einen Gottesdienst in seinem Namen und rechnen mit seiner Gegenwart.

Bringt es mir etwas, wenn ich diese Stunde in der Gegenwart Gottes verbringe? Dient da vielleicht Gott uns?

Amen.

 

Auch als PDF-Download verfügbar:

Haas – Wie sieht Gott wohl die Gottesdienste in unserer Gemeinde (Geistlicher Impuls Klausurtag)

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