Kurzchronik

In nennenswerter Zahl werden Evangelische in unserer Gegend erst um 1830-1840 genannt. Es handelte sich meist um Beamte, Schäfer und Landwirte aus Württemberg. Sie mussten, wenn sie in Bayern Gottesdienste besuchen wollten, bis ins entfernte Holzschwang gehen oder fahren. So werden in den Abendmahlsbüchern von Holzschwang erstmals um 1850 evangelische Christen aus Vöhringen erwähnt. Namentlich bekannt ist ein Arbeiter aus den Wieland-Werken, Wilhelm Häger, der im Jahre 1864, als das Werk hier seinen Anfang nahm, dort Anstellung fand. Eine große Erleichterung für die Protestanten in unserem Raum bedeutete der Genehmigungsbescheid des Bayerischen Staatsministeriums für Kirchen- und Schulangelegenheiten aus dem Jahre 1878, wonach der Pfarrer von Holzschwang alljährlich in der Osterzeit im Markte Illertissen einen evangelischen Gottesdienst mit Abendmahlsfeier abhalten konnte.

 

1894 Vöhringen (mit Bellenberg und Au) wird in Neu-Ulm eingepfarrt. Mit zunehmender Zahl der protestantischen Familien besuchten auch mehr evangelische Kinder die Vöhringer Volksschule. Sie erhielten wöchentlich einmal Religionsunterricht, der von einem Hilfsgeistlichen aus Neu-Ulm erteilt wurde.
1898 Die Wieland-Werke stellen den Evangelischen den Kantinensaal zur Abhaltung ihrer Gottesdienste zur Verfügung (bis zum Jahre 1934).
1910 Errichtung der Filialgemeinde Illertissen für die evangelischen Einwohner aus 26 bürgerlichen Gemeinden, darunter auch Vöhringen. Auch die Schulkinder wurden von nun an vom Pfarrvikar aus Illertissen betreut. Die protestantischen Sonn- und Feiertagsschüler waren für einige Tage im Jahre vom Besuche der Sonntagsschule befreit: am 1. Adventssonntag, am Epiphaniefest, am Sonntag vor Septuagesimä und Lätare, am Himmelfahrtstag und am 3. Sonntag nach Trinitatis. An diesen Tagen mussten sie den Gottesdienst und anschließend die Christenlehre in Illertissen besuchen.
1921 Illertissen wird Pfarrstelle.
1929 Bildung einer Tochtergemeinde für Vöhringen und Bellenberg. Im gleichen Jahre Erwerb eines Grundstückes für den Bau einer evangelischen Kirche am südlichen Ausgang des Ortes.
1930 Genehmigung der »Tochterkirchenstiftung Vöhringen«.
1933 8. Oktober, Grundsteinlegung für die neue Kirche; Architekt: Motz, Stuttgart.
1934 Die fertiggestellte Kirche erhält drei neue Glocken (7. Juli). Weihe der Kirche auf den Namen »Martin Luther« (14. Juli). Oberkirchenrat und Kreisdekan Baum, München, nahm den Weiheakt vor, Pfarrer Dr. Giegler, Nürnberg, hielt die Festpredigt. An den Einweihungsfeierlichkeiten nahmen zahlreiche Geistliche, die Vertreter der kommunalen Behörden und der Wieland-Werke teil.
1942 Zwei Glocken, die große und die mittlere, fallen der Heeresablieferung zum Opfer
1948 Die Kirche erhält eine neue Orgel; Weihe derselben am 23. Januar 1949.
1950 1. Dezember, Errichtung des Pfarrvikariats unter der Bezeichnung »Pfarrvikariat Illertissen mit Sitz in Vöhringen«.
Als Vikare waren hier eingesetzt:
Theobald Kinkelin, März 1952 bis 1953
Bruno Müller, Juli 1953 bis 1955
Walter Trenkle, März 1955 bis 1959
Hans Heinz Fritsch, März 1959 bis 1962
1954 Die Kirche erhält zunächst zwei neue Glocken, im Jahr darauf eine weitere, die von der Firma Kurz, Stuttgart, geliefert wurden. Das Geläute ist nun vierstimmig; Töne: d, c, b, g. Glockenweihe am 4. Juli.
1960 15. Dezember, Erhebung zur Pfarrei.
Erster Pfarrer Wilhelm Starck (1. März 1962 bis 30. September 1972); versetzt nach Veitshöchheim.
1960/63 Bau des Pfarrhauses.
1962/63 Bau des evangelischen Gemeindehauses; Architekt: Prechter, Harburg; Ausführung durch die Fa. Lenz.
1972 1. Dezember, Amtsantritt von Pfarrer Herbert Kreimann. Er kam aus Schweinfurt-Bergrheinfeld.
1974 20. Juli, Feier zum 40jährigen Bestehen der Martin-Luther-Kirche.
1978 26. Dezember, Einweihung des evangelischen Gemeindehauses in Bellenberg.
1984 Renovierung der Martin-Luther-Kirche.
1992/93 Abriss und Neubau des evangelischen Gemeindehauses in Vöhringen.
1995 Pfarrer Herbert Kreimann geht in den Ruhestand.
1996 1. Januar, Michael Foltin wird neuer Pfarrer in Vöhringen.
2008 30. Juni, Pfarrer Foltin verlässt die Gemeinde und wechselt nach Gleisenau.
2009 1. Juni, Jochen Teuffel wird neuer Pfarrer in Vöhringen.

 

Seelenzahlen der evangelischen Gemeinde Vöhringen

1892 54
1900 113
1905 164
1910 178
1915 155
1929 205 Bellenberg
1939 277 11
1947 736 91 Illerberg Thal
1950 616 80 48 8
1961 639 82 35 10
1962 960 100 35 10
1968 1543 400 100 20
1973 1613 473 151
2007 2268  insgesamt

 

1961 wurde in Bellenberg, 1968 in Illerberg eine evangelische Gottesdienststation errichtet. In Bellenberg wird zweimal im Monat im evangelischen Gemeindehaus Gottesdienst gefeiert. In Illerberg findet an Ostern, Pfingsten und Weihnachten jeweils am zweiten Feiertag ein evangelischer Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Martin statt.

Nach Informationen durch die Pfarrer Wilhelm Starck und Herbert Kreimann.

 

Aus: Franz Helmschrott/Horst Gaiser/ Bertold Heinlein/ Anton H. Konrad/Josef Matzke, Vöhringen. Heimatbuch einer Gemeinde im unteren Illertal, Konrad Verlag, Weißenhorn 1975, 184-186.