„Krone des Lebens“ – Biblische Tagesimpulse, die zusagen und herausfordern – 10. Januar

Basierend auf den Herrnhuter Losungen soll ein biblisches Wort uns jeden Tag einen neuen Impuls geben:

Montag, 10. Januar

Der Herr wird auch, was im Dunkeln verborgen ist, ans Licht bringen und wird Sinnen und Trachten der Herzen offenbar machen. Und dann wird einem jeden sein Lob zuteil werden von Gott.      1. Korinther 4,5

Als Teenager bin ich einmal mit meinen Freunden im Schlauchboot die Iller hinunter gefahren. Tatsächlich habe ich damals meine Eltern angelogen und gesagt, ich würde im Kellerbau schwimmen gehen, denn ich wusste sehr genau, dass sie es mir niemals erlaubt hätten.

Irgendwie hatte ich schon ein mulmiges Gefühl, denn sowas tat ich normalerweise nicht, aber ich war davon überzeugt, sie würden es sicher nicht heraus bekommen. Aber es kam natürlich ganz anders. Meine Eltern kannten mich einfach zu gut. Auch sie taten, was sie sonst nie taten und fuhren zum See, um mich dort zu suchen. Noch bevor ich in Ulm mit dem Schlauchboot ankam, wussten sie über alles bescheid.

An dieses Gefühl, ertappt worden zu sein, erinnere ich mich noch heute! Meine Güte, war mir das sowas von peinlich!

Ich wäre am Liebsten im Boden versunken! Eigentlich wollte ich ja nur mal ein bisschen Spaß haben. Was bitteschön sollte denn dabei schon passieren. Aber meinen Eltern Sorgen machen, das wollte ich nicht.

Irgendwie musste ich an dieses Ereignis denken, als ich unseren heutigen Losungsspruch las.

Wie oft tun wir Dinge, bei denen wir vielleicht schon wissen, dass sie nicht gut sind, oder wir tun Dinge aus anderen Beweggründen, als die, die uns dann unterstellt werden. Wie oft urteilen wir selber über andere und meinen zu wissen, warum sie so oder so gehandelt haben.

Was bin ich froh, dass wir Gott nichts vormachen können. Und was bin ich froh, dass sein Urteil über uns wirklich gerecht ausfallen wird. Er kennt uns durch und durch. Er allein weiß wirklich, was in uns vorgeht.

Aber es geht hier in unserer Losung nicht nur um das was wir so tun, sondern es geht hier auch um unseren Glauben und über den Glauben der anderen, über den wir vielleicht auch schon allzu oft geurteilt haben:

Deshalb hütet euch, voreilige Urteile über den Glauben anderer zu fällen, bevor der Herr wiederkommt. Wenn der Herr kommt, wird er unsere tiefsten Geheimnisse ans Licht bringen und unsere verborgensten Beweggründe offenbar machen. Und dann wird Gott jeden so loben, wie es ihm zusteht.

Also: Es steht uns nicht zu, über andere zu urteilen, auch nicht über deren Glauben. Wir sollten uns lieber fragen, was unsere tiefsten Beweggründe und unsere Geheimnisse sind. Und urteilen, urteilen kann nur Gott. Über unseren Nächsten, aber auch über uns selbst.

In unserem Text steht übrigens nichts von Strafe, sondern von Lob.

Das erinnert mich daran, dass Gott ein liebender, ein gerechter Vater ist. Sein Urteil über mich fällt vielleicht besser aus als das, was ich selbst über mich fällen würde? Wer weiß!

An die Strafe, die ich damals von meinen Eltern bekommen habe erinnere ich mich übrigen kaum noch. Sie kannten und liebten mich und soweit ich es noch weiß, war es eine Strafe, die auch ich als gerecht empfunden habe.

Berit Knorr

Vater im Himmel, du kennst mich und du liebst mich, trotzdem! Was für eine tröstliche Erkenntnis! Hilf mir nicht mehr ständig über andere urteilen zu wollen, denn du allein bist derjenige der das darf und nicht ich, mit meiner doch so beschränkten Sicht auf andere Menschen. Amen.

Als heutige Bibellese ist Johannes 3,22-36 vorgesehen.

Hier von Simon Georg das Lied „Über den Dingen“ zum Anhören     


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