Sonntagsbrief an die Gemeinde am 05. April 2020

Liebe Schwestern und Brüder, ihr die Gemeinde,

„Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.“

Wie sieht es mit eurer Geduld aus? Seit nunmehr drei Wochen sind wir ja mit unserem Leben weitgehend auf die eigenen vier Wände beschränkt. Da wird uns einiges an Verzicht abverlangt. Uns fehlen insbesondere die Begegnung und das Gespräch mit vertrauten Menschen. Da noch kein Ende der Ausgangsbeschränkungen absehbar ist, wird unsere Geduld zunehmend strapaziert. Im Abwarten tut sich die Zeit gleichsam als leeres Zimmer auf, wo der eigene Blick nichts für sich finden kann. Weil sich nichts ändern will, wirkt Abwarten quälend langweilig.

Gerade in dieser Zeit brauchen wir für unser Warten eine Aussicht, damit es eben kein frustrierendes Abwarten, sondern vielmehr ein Erwarten ist. Ein Bild des Erwartens ist der Bahnsteig, wo sich der eigene Blick auf das leere Bahngleis ausrichtet. Dem Gleis folgend suchen die Augen den Zug. Er ist noch immer nicht sichtbar am Horizont, aber er wird bestimmt auf uns zukommen. Das Gleis vor uns ist auf seine Ankunft angelegt. So müssen wir eben nicht abwarten, was passieren mag, sondern können den einfahrenden Zug erwarten, selbst wenn sich seine Ankunft verzögert.
Der Apostel Paulus schreibt in Sachen Geduld folgende Worte:

„Alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schriften Hoffnung haben. Der Gott der Geduld und des Trostes aber schenke euch, eines Sinnes untereinander zu sein, Christus Jesus gemäß, damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, einmütig und mit einem Munde preist.“ (Römer 15,4-6)

Mit dem Geschriebenen meint der Apostel die Heilige Schrift. Sie ist uns Christen gleichsam als Gleis für unser eigenes Leben vorgeschrieben, damit wir wissen, wer auf uns zukommen wird:

„Hosanna dem Sohn Davids!
Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn,
Hosanna in der Höhe!“ (Matthäus 21,9)

So haben die Menschen Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem enthusiastisch begrüßt. Und so feiern auch wir am heutigen Palmsonntag das Kommen Jesu als Messias. Im Licht der Heiligen Schrift sind wir nicht in unseren eigenen vier Wänden gefangen, um abzuwarten, was da noch alles passieren wird. Vielmehr heißt es für uns:

„Nur noch eine ganz kurze Zeit,
dann wird der kommen, der kommen soll,
und er bleibt nicht aus.
Werft also eure Zuversicht nicht weg –
sie hat großen Lohn!
Was ihr braucht, ist Ausdauer,
damit ihr den Willen Gottes erfüllt
und die Verheißung erlangt.“ (Hebräer 10,37.35f)

Für eure Geduld und Ausdauer haben wir in den kommenden Tagen folgende Gottesdienste für euch vorgesehen:

Ab heute kann der Kreuzweg „Hab acht!“ entlang von Weg- und Feldkreuzen in Illerberg, Bellenberg oder Vöhringen im Alleingang unternommen werden. Wir haben dazu ein Heft mit Texten für acht Stationen erstellt. Außerdem sind die Texte für das Smartphone auf einer Audio-Datei eingesprochen und mit Musik von Fabian Weisenberger unterlegt. Texte und MP3-Datei findet ihr unter: https://www.evang-kirche-voehringen.de/wp/kreuzweg/

Heute ab 9 Uhr kann der WegweiserGottesdienst „Man wird doch noch seine Meinung sagen dürfen“ als Podcast angehört werden: https://www.evang-kirche-voehringen.de/wp/wegweiser/

An Gründonnerstag feiern wir um 18.30 Uhr ein Abendmahlsgottesdienst aus unserem Gemeindehaus, der live über das Internet übertragen wird. Wir bitten dazu die Teilnehmer den eigenen Tisch mit Brot und Wein (bzw. Traubensaft) für das Abendmahl herzurichten. Somit kann bei euch zuhause nach der Einsetzung Brot und Wein als Christi Leib und Blut einander gespendet werden. Dieses gemeindliche Hausabendmahl wird voraussichtlich 20 Minuten dauern.

Der Karfreitagsgottesdienst aus der Martin-Luther-Kirche mit Orgelbegleitung wird am 10. April um 10 Uhr als Video auf unsere Homepage hochgeladen. Er dauert voraussichtlich 25 Minuten.

Für den Ostersonntag ist ein gottesdienstlicher Osterspaziergang als Podcast für das Smartphone vorgesehen. Er beginnt mit dem Evangelium von der Auferstehung Jesu auf dem Friedhof. Unterwegs werden dann die Osterbotschaft mit Natursymbolen verknüpft und Osterlieder gesungen.

Dieser Sonntagsbrief kann die Woche über jederzeit unter der Telefonnummer 07306/78 92 95 1 abgehört werden. Auf unserer Webseite https://www.evang-kirche-voehringen.de finden sich unter der Überschrift „Krone des Lebens“ aktuelle Tagesimpulse. Diese können dort auch abonniert werden.

So bete ich:

Herr, Du mein Gott, Deine Geduld möchte ich haben. Sie ist es, die uns Menschen leben lässt. Was Dein Sohn am Kreuz erlitten hat, trägst du uns nicht länger nach. So bitte ich Dich: Schenke mir Geduld mit meiner Ungeduld, dass ich nicht an mir selbst verzweifle. Bewahre mich davor, andere zu verurteilen für das, was ich an mir selbst unerträglich finde. Schenke mir Geduld für das, was mir an Leib und Seele zu schaffen macht. Deine Geduld möchte ich haben; ich brauche sie wie das tägliche Brot, um auszuhalten, was über meine Geduld geht. Durch Jesus Christus. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Euer Jochen Teuffel
Evangelischer Pfarrer

Posted in Sonntagsbrief an die Gemeinde.