Sonntagsbrief an die Gemeinde am 10. Mai 2020

Schwestern und Brüder, ihr die Gemeinde,

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Vielleicht ist es euch auch aufgefallen, dass bei Gesangswettbewerben im Fernsehen häufig Sängerinnen und Sänger vertreten sind, die in einer Kirche bzw. Gemeinde aktiv sind. Mit gutem Grund, schließlich wird ja in Gottesdiensten viel gesungen, sei es durch Chöre, Gesangsgruppen oder durch die Gemeinde. „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ So beginnt der Psalm 98. Von diesem Aufruf hat der heutige Sonntag Kantate seinen Namen erhalten, heißt doch „singet“ auf Latein „cantate“.

Was macht aber nun der Gesang im Gottesdienst aus? Dazu gibt es im 2. Buch der Chronik eine aufschlussreiche Geschichte. Nachdem unter König Salomo der Tempel des HERRN in Jerusalem fertiggestellt und die Bundeslade mit den Gebotstafeln in das Allerheiligste gebracht worden sind, beginnen die Leviten mit dem Lobgesang (nach Psalm 136), begleitet von 120 Priestern, die die Trompete blasen:

Es kam wie aus einem Mund, wenn die Trompeter und Sänger gleichzeitig zum Lob und Preis des HERRN sich vernehmen ließen. Als sie mit ihren Trompeten, Zimbeln und Musikinstrumenten einsetzten und den HERRN priesen – Denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig – , erfüllte eine Wolke den Tempel, das Haus des HERRN. Die Priester konnten wegen der Wolke ihren Dienst nicht verrichten; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.“ (2. Chronik 5,13-14)

Das ist das Wunder: Im gesungenen Gotteslob werden sich Menschen eins, so dass Gottes herrliche Gegenwart den ganzen Raum erfüllt. Nicht länger treten persönliche Ansichten und Vorlieben in den Vordergrund, nicht länger sucht man den eigenen Vorteil, nicht länger werden die Worte anderer zerredet. Vielmehr stimmen wir gemeinsam ein:

Gott ist gegenwärtig. / Lasset uns anbeten / und in Ehrfurcht vor ihn treten. / Gott ist in der Mitte. / Alles in uns schweige / und sich innigst vor ihm beuge. / Wer ihn kennt, / wer ihn nennt, / schlag die Augen nieder; / kommt, ergebt euch wieder. // Mache mich einfältig, / innig, abgeschieden, / sanft und still in deinem Frieden; / mach mich reines Herzens, / dass ich deine Klarheit / schauen mag in Geist und Wahrheit; / lass mein Herz / überwärts / wie ein’ Adler schweben / und in dir nur leben. (EG 165,1+7)

So fügen sich in der Melodie unsere unterschiedlichen Stimmen und Stimmungen harmonisch zusammen. Mit vorgegebenen Worten, die uns nicht selbst in den Sinn kommen, richten wir uns gemeinsam auf den dreieinigen Gott aus: „Danket dem HERRN, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“ (Psalm 136,1)

Das Gotteslob entführt uns in die Gegenwart des lebendigen Gottes, der Himmel und Erde erschaffen hat, der Israel aus der Knechtschaft Ägyptens befreit hat, der seinem Volk auch in dessen Irrwegen treu geblieben ist, der in Jesus Christus am Kreuz uns mit sich versöhnt hat und in dessen Auferstehung den Tod überwunden hat, der sich aus Juden und Heiden seine Kirche erwählt hat und uns durch den Heiligen Geist zu seinen Kindern gemacht hat.

Im Gotteslob blicken wir über den eigenen Horizont hinaus, nehmen unser Leben in Gottes Güte neu wahr. „Bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Lichte sehen wir das Licht“ (Psalm 36,10)

Auch in der gegenwärtigen Zeit, die einiges in Frage stellt, manches verlieren lässt und uns vieles vorenthält, haben wir Grund Gott zu loben, „denn seine Güte währet ewiglich“. Wir können immer noch nicht uns zum gemeinsamen Gotteslob in der Kirche zusammenfinden. So vermissen wir die Stimmen und Gesichter der anderen. Und doch, was wir zuvor dem dreieinigen Gott gemeinsam zugesungen haben, wird unser eigenes Leben einholen. Im Gotteslob sind der neue Himmel und die neue Erde nach seiner Verheißung schon jetzt wirklich:

Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich,
der Herr freue sich seiner Werke!
Ich will singen dem Herrn mein Leben lang,
ich will loben meinen Gott, so lang ich bin.
(Psalm 104,31+33, EG 613)

So bete ich:

Himmlischer Vater, Du unser Gott, Du hast uns eine Stimme gegeben und uns Dein Wort nahegebracht. Gib uns Deinen Geist, dass unser Herz Zuversicht fasst und unsere Lippen dein Lob verkünden. Lass uns mit Leib und Seele bei dir wiederfinden. Sei mit Deiner Güte denjenigen nahe, um die wir uns Sorgen machen. Durch Jesus Christus. Amen.

Am kommenden Mittwoch, 13. Mai feiern wir das Gemeinsame Abendgebet um 19.30 Uhr im Internet als Podcast zum Anhören unter www.evang-kirche-voehringen.de/wp/abendgebet. Es steht unterdem Thema „Im Dunkeln der Nacht erscheint das Licht des neuen Tages“.

Da die Martin-Luther-Kirche im Kirchenschiff nur über 14 Sitzmög­lichkeiten mit dem staatlich vorgegebenen Zwei-Meter-Abstand verfügt, können wir nicht zu öffent­lichen Gottesdiensten einladen. Stattdessen werden Gemeindeglieder entsprechend den vor­handenen Sitzmöglichkeiten einzeln oder paarweise persönlich zu Gottesdiensten eingeladen. Gemeindeglieder können sich telefonisch (07306-8255) oder per Email (pfarramt.voehringen@elkb.de) melden und eine persönliche Einladung erbitten.

Veranstaltungen in unserem Gemeindehaus müssen weiterhin entfallen.

Dieser Sonntagsbrief kann die Woche über unter der Telefonnummer 07306/78 92 95 1 abgehört werden. Auf unserer Webseite finden sich unter der Überschrift „Krone des Lebens“ aktuelle Tagesimpulse. Diese können dort auch abonniert werden.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Es grüßt Euch ganz herzlich

Euer Jochen Teuffel

Evangelischer Pfarrer

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