Sonntagsbrief an die Gemeinde am 21. Juni 2020

Schwestern und Brüder, ihr die Gemeinde,

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Das ist mit eigenen Händen zu greifen, das Gewicht legt sich auf den Körper, schmerzt die Glieder, treibt den Schweiß auf die Stirn, lässt den Atem keuchen, sucht das krampfhafte Halten, lässt Schritte wanken, ist kaum länger auszuhalten. Doch dann dürfen die Arme sinken – geschafft, was für eine Erleichterung.

Wir reden mitunter von Belastungen im Leben, die es selbst zu tragen gilt. Doch der Blick auf Hände und Schultern lässt davon nichts erkennen. Auch wenn manche Berufstätige am Ende eines Arbeitstags körperlich erschöpft sind, werden wir in unserer Gesellschaft – dank Technik und Automation – immer mehr von körperlicher Arbeit entlastet. Wie kann sich dennoch die Schwerkraft im Leben so nachhaltig bemerkbar machen?

Was zu schaffen macht, sind beunruhigende Ereignisse, zudringliche Worte, störender Lärm, aufreibender Stress, vermessene Beanspruchungen, einengende Bindungen, zerstreuende Reizüberflutung, überfordernde Informationsfülle – so vieles, was unter die Haut geht und die eigene Seele einnimmt. Für all diese seelischen Belastungen gibt es keinen eigenen Zielort, wo sie – wie ein schweres Klavier – schließlich abgestellt werden können. Und im Unterschied zu schweren Möbelstücken kann niemand seelische Belastungen einer anderen abnehmen, auch wenn mitteilsames Reden und Hören als eigene Erleichterung empfunden werden mögen.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,28-30)

Jesu Heilandsruf an seine Jünger ist auch uns einladender Zuspruch: „Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“ Also auf zu ihm, um seelisch Belastendes loszuwerden und aufzuatmen – wäre diese Zusage nicht von weiteren Worten gerahmt: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir. […] Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ Wer auf Jesus Christus zukommt, kann nicht von selbst abladen; vielmehr wird ihr ein Joch als Last aufgelegt.

Es ist genau diese Last, die für uns Entscheidendes ändert. Es ist die Last, die Jesus selbst getragen hat, sein Kreuz legt er uns auf, nicht als Knechtung, sondern als Schlüssel. Dieses Joch öffnet für uns einen Lebensweg, der eigene Seelenlast zur göttlichen Bestimmung führt. Da mögen wir uns Entlastung wünschen, um eigene Freiheit zu erlangen. Doch wichtiger als manche vorübergehende Entlastung ist die Wegbestimmung mit der eigenen Last.

Dass mein Leben mit seinen Belastungen eine Bestimmung hat, lässt einiges aushalten. Das zeigen ja immer wieder Angehörige von Schwerkranken, wenn sie diese zuhause pflegen. Die Frustration, also die ziellose Vergeblichkeit seelischer Belastung hingegen schädigt Menschen dauerhaft.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir.“ Jesus Christus sieht unsere Lebensbestimmung in der Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott vor: „Bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Lichte sehen wir das Licht“ heißt es in Psalm 36 (Vers 10).

Das Joch, das er uns reicht, sein Kreuz, ist keine religiöse Zusatzbelastung, sondern der Gottesschlüssel für unsere Lebensbestimmung. Wir sind uns eben nicht selbst überlassen, müssen nicht mit dem, was wir haben und was uns auferlegt worden ist, selbst zurechtkommen. Wo wir auf Jesu Zuspruch hören, ihm in seiner Hingabe für uns glauben, aus seinem Wort für uns lernen, zeigt sich uns der Lebensweg, den Gott von Anfang an in Jesus Christus für uns vorgesehen hat. Wer das Christusvertrauen in den göttlichen Heimweg hat, trägt an seiner eigenen Last nicht vergeblich.

So bete ich: Himmlischer Vater, durch Deinen Sohn Jesus Christus hast Du unser Leben für Dich bestimmt. Gib uns Deinen Geist, dass wir auch an dunklen Tagen darauf vertrauen können. Gibt unserer Seele neue Kraft und Geduld für Belastungen, die wir jetzt nicht ändern können. Durch Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Dieser Sonntagsbrief kann die Woche über unter der Telefonnummer 07306/78 92 95 1 abgehört werden.

Bis auf weiteres werden wir sonntags unseren Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche um 9 Uhr feiern. Jeder kann kommen, auch ohne Voranmeldung, vorausgesetzt, dass ihr ein freier Sitzplatz zugewiesen werden kann. Aufgrund der reduzierten 1,50-Meter-Abstandsregel gibt es in unserer Kirche nunmehr 24 Sitzmöglichkeiten, die einzeln oder zu zweit aus einem Haushalt eingenommen werden können.

Heute haben wir den ersten eingesprochenen Beitrag zu unserem Bibelleseprojekt „Gottes Wort vor Ort“ auf unserer Webseite online gestellt, nämlich das dritte Kapitel aus dem Buch Jona als Auftakt. Er findet sich unter https://www.evang-kirche-voehringen.de/wp/gottes-wort-vor-ort/. Dort können auch die zukünftigen Lesebeiträge abonniert werden.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Es grüßt Euch ganz herzlich

Euer Jochen Teuffel
Evangelischer Pfarrer

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