Sonntagsbrief an die Gemeinde am 26. April 2020

Schwestern und Brüder, ihr die Gemeinde,

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Wem soll man nun trauen – Virologen, welchen, der Kanzlerin, Ministerpräsidenten, Journalisten, Geschäftsleuten oder doch dem eigenen Menschenverstand? Die Ungewissheit in der Corona-Pandemie lässt eine Fülle unterschiedlicher Ansichten, Prognosen und Forderungen in den Medien zu. Wem soll man da nun trauen? Ich persönlich bin vorsichtigen medizinischen Prognosen zugeneigt, wenn diese auf Statistiken schlüssig Bezug nehmen.

Wo nicht definitiv entschieden werden kann, was richtig ist, braucht es ein Vertrauen – ein Vertrauen in Personen wie auch in Institutionen. Aber was macht jemanden nun vertrauenswürdig? Dazu stelle ich mir die Fragen: Was mag jemanden zu seiner Forderung bewegt haben? Und welches Eigeninteresse könnte er damit verfolgen? Schließt dieses Interesse auch ein Wohlwollen für andere ein? Es macht nämlich einen Unterschied aus, ob jemand um seiner selbst willen oder aber in der Fürsorge für andere etwas fordert. Wer verantwortlich für andere tätig ist, zeigt sich mir vertrauenswürdiger als jemand, der aus einer Zuschauerposition heraus über andere urteilt.

Vertrauensfragen betreffen auch unseren Glauben: Wie sollen wir Gott vertrauen können, wenn uns mit der Corona-Pandemie Unheil trifft? Der Apostel Petrus setzt uns dazu auf die Lebensspur Jesu Christi, wenn er schreibt:

Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt. Er hat keine Sünde begangen und in seinem Mund war keine Falschheit. Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter. Er hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot sind für die Sünden und leben für die Gerechtigkeit. Durch seine Wunden seid ihr geheilt. Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber habt ihr euch hingewandt zum Hirten und Hüter eurer Seelen. (1.Petrus 2,21-25)

Nicht hinter dem Weltall, sondern auf der Via Dolorosa, dem schmerzensreichen Weg in Jerusalem zeigt Gott uns seine Nähe. In Jesus Christus sucht er uns mit ganzer Hingabe, um uns im Unheil zu retten. Was Christus auf sich genommen und für uns erlitten hat, was er in seinem Tod und seiner Auferstehung überwunden hat, das macht ihn zum guten Hirten. Wo wir im Glauben zu ihm gefunden haben, gehen wir ihm nicht verloren – komme, was das wolle.

Gottes Weg mit uns Menschen bewahrt nicht vor allem Unheil, aber in seinem Sohn Jesus Christus lässt er sich auch im Unheil finden: Da, wo wir den Verlust vor Augen haben, sieht er Rettung vor. Der gute Hirte lässt uns nicht los. So vertraue ich mich dem Hüter meiner Seele an – mit meinen Fragen und Zweifeln, mit meinen Ängsten und Verfehlungen, aber auch mit meiner Lebensfreude.

Auf meinem Lebensweg, der durch manches dunkle Tal und immer wieder über lichte Höhen geht, führt er mich zum himmlischen Vater in dessen Reich. Passend heißt es dazu in dem Lied „Wunderbarer Hirt“:

Du bist ein wunderbarer Hirt,
Der mich zu frischem Wasser führt.
Du hast so reich gedeckt,
Des Königs Tisch für mich.
Du bist mein Stecken und mein Stab,
Und wandre ich im finstren Tal.
Fürcht ich kein Unheil mehr,
Denn du bist hier bei mir.
Ich komm, ich komm,
An deinen Tisch, ich komm.
Ich komm und ich bin gewiss,
Du bist mein wunderbarer Hirt.

So bete ich:

Barmherziger Gott, himmlischer Vater, Deinen Sohn hast Du als guten Hirten gesandt. In seiner Liebe zu uns hat er sein Leben hingegeben und es von Dir neu empfangen. So bitte wir dich: Halte unser Leben unter seinem Schutz und lenke unsere Schritte in seinen Spuren. Durch Jesus Christus. Amen.

Veranstaltungen in unserem Gemeindehaus müssen weiterhin entfallen. Wann wir wieder in unserer Martin-Luther-Kirche Gottesdienste feiern können, lässt sich gegenwärtig noch nicht sagen. Möglicherweise werden wir ab dem 10. Mai mit Freiluftgottesdiensten vor der Kirche anfangen.

Dieser Sonntagsbrief kann die Woche über unter der Telefonnummer 07306/78 92 95 1 abgehört werden. Auf unserer Webseite finden sich unter der Überschrift „Krone des Lebens“ aktuelle Tagesimpulse. Diese können dort auch abonniert werden.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Es grüßt Euch ganz herzlich

Euer Jochen Teuffel
Evangelischer Pfarrer

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