Sonntagsbrief an die Gemeinde zu Trinitatis am 7. Juni 2020

Wir empfehlen Ihnen heute auch unseren WegweiserGottesdienst um 11 Uhr als Livestream in Bild und Ton:
https://www.evang-kirche-voehringen.de/wp/der-100-wegweisergottesdienst-am-7-juni-2020-als-livestream/

Schwestern und Brüder, ihr die Gemeinde,

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

„Isolierung“ – dieses Wort hat in den letzten Monaten an Bedeutung gewonnen. Es werden nicht länger nur elektrische Kabel isoliert, sondern Corona-bedingt auch Menschen. Isolierung geht auf das Lateinische „insulatus“ zurück und bedeutet „zur Insel gemacht“. Wer in Isolation lebt, ist für sich zur Insel geworden, steht nicht in direktem Kontakt zu anderen (womit eine mögliche Virus-Infektion vermieden wird). Ganz allein für sich zu sein mag auch sein Gutes haben, tun und lassen können, was man selbst will. Wer aber dauerhaft von anderen isoliert ist, wird sich mit der Zeit alleingelassen und einsam fühlen.

Menschliches Leben ist auf Gemeinschaft angewiesen, wo Erlebnisse miteinander geteilt werden, wo Worte zueinander finden und wo seelische und leibliche Berührungen im guten Sinne geschehen. Mitmenschliche Gemeinschaft wünschen wir uns nicht nur in Lebenspartnerschaften und in Familien, sondern auch in Kirche und Gesellschaft. Dazu braucht es jedoch Einigkeit. Ohne diese existiert keine Gemeinschaft.

Gerade in der gegenwärtigen Corona-Pandemie zeigt sich in unserer Gesellschaft immer mehr Uneinigkeit. Menschen haben je eigene Sichtweisen, eigene Empfindlichkeiten, eigene Ansprüche und auch eigene Lebensbefürchtungen. Mitunter wird man sich nur in der Ablehnung von etwas einig – im Gegenüber zu anderen, die die betreffende Sache befürworten. Wo wir hinsichtlich des „Richtigen“ nur von uns selbst ausgehen können, wo der eigene Wille in den Willen anderer nicht dauerhaft einwilligen kann, ist gesellschaftliche Einigkeit eine Wunschvorstellung. Trotz aller Versuche uns zu einigen, bleiben wir auf Dauer einander uneins.

„Niemand ist eine Insel, in sich ganz.“ Diese Worte des englischen Schriftstellers und Priesters John Donne (1572-1631) wollen aufzeigen, dass unser Leben miteinander verbunden ist. Was Mitmenschen zukommt oder abgeht, was mit anderen Menschen geschieht, betrifft mich selbst. Damit diese Worte wahr werden, braucht es zweierlei: Erlösung und Verbindung – Erlösung aus dem Inseldasein, wo alles Erleben und alles Geschehen auf einen selbst bezogen bleibt. Und Verbindung, wo eigenes Leben sich im anderen wiederfindet, mit ihr oder ihm mit- und auflebt.

Göttliche Erlösung und Verbindung unseres Lebens sind das, wofür Jesus Christus zu seinem Vater mit folgenden Worten betet:

„Vater, Ich bitte nicht nur für die Jünger hier, die mit mir anwesend sind, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast.“ (Johannes 17,20-23)

Jesus bittet seinen Vater darum, dass wir, die an ihn glauben, alle eins werden. Wo menschliche Einigung unerreichbar ist, soll göttliche Einigkeit für uns wirklich werden. Sie widerfährt uns, wo Jesus Christus mit seiner Hingabe unser Leben einnimmt. Er, der Gottessohn, lebt nicht für sich selbst, sondern findet sich bei seinem Vater wieder, lebt in ihm, erfährt von ihm alle Liebe, die er im Heiligen Geist uns zukommen lässt.

Göttliche Einigkeit – Vater, Sohn und Heiliger Geist – grenzt sich nicht ab, sondern öffnet sich für uns Menschen. Sie lädt an den Tisch des HERRN ein, wo wir im Glauben an Christus gemeinsam das wirklich Gute für unser Leben finden können. Nicht länger ist mein „Ich“ – wie ich mich selbst wahrnehme und erlebe – das Maß aller Dinge, sondern der dreieinige Gott in seiner hingabevollen Liebe. Dieser göttlichen Liebe kann ich nur glauben, wenn ich die anderen zugleich mit mir in eben dieser Liebe sehe.

Das ist unsere geistliche Aufgabe: Tagtäglich im Glauben an Jesus Christus über unseren Lebenshorizont in den Himmel hinaufzuschauen, wo göttliche Einigkeit alle Menschen in den gemeinsamen Blick nimmt. So soll ich zum Anderen als meinem Nächsten finden. Uns beiden ist die göttliche Liebe gemein, deren Gegenwart zum eigenen Heil entdeckt sein will.

So bete ich: Himmlischer Vater, Du unser Gott, in Liebe zu uns Menschen hast Du Deinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt. Unser Leben hat er angenommen und im Geheimnis seiner Todesauferstehung von sich selbst erlöst. Erfülle uns mit Deinem Heiligen Geist, damit wir immer tiefer in Deine Liebe hineingeführt werden. Durch Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Die Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche ist mit Voranmel-dung möglich. Unter der Telefonnummer 07306/78 92 95 10 werden von Montag bis Donnerstag 17 Uhr Voranmeldungen für den darauffolgenden Sonntags¬gottesdienst angenommen. Sollten die Anrufer von uns nichts mehr hören, sind sie für den Gottesdienst eingeladen.

Dieser Sonntagsbrief kann die Woche über unter der Telefonnummer 07306/78 92 95 11 abgehört werden. Auf unserer Webseite finden sich unter der Überschrift „Krone des Lebens“ aktuelle Tagesimpulse. Diese können dort auch abonniert werden.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Es grüßt Euch ganz herzlich

Euer Jochen Teuffel
Evangelischer Pfarrer

Veröffentlicht in Allgemein, Sonntagsbrief an die Gemeinde.